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Zuletzt online vor 3 Monaten

Jubiläum: Die "Pille" wird 50!

geschrieben von Elternforum am 2010-05-28 18:14:12
Wien (OTS) - Groß wie eine Linse und grün wie eine Erbse. Kleine Kügelchen, eingeschweißt in silbernes Staniolpapier sollten vor 50 Jahren die Welt verändern und eine Revolution auslösen. Vor 50 Jahren kam in den USA die erste 'Pille' auf den Markt. Nur sechs Monate später, am 1. Januar 1961, führte Bayer Schering Pharma (damals Schering) seine erste Pille in Australien ein, ein paar Monate danach folgte Deutschland, dann Österreich. Die erste europäische Pille stellte durch die Reduzierung der Hormondosis bereits eine deutliche Verbesserung gegenüber der 'Pionierversion' aus den USA dar. Mit diesem Präparat begann die noch heute andauernde Erfolgsgeschichte von Schering (seit 2007 Bayer Schering Pharma) als Innovator bei der Entwicklung von Verhütungsmitteln.

Erste Anfänge
Die Schering-Wissenschaftler begannen ihre Hormonforschung bereits in den 1920er Jahren, als das Gebiet der Hormone noch weitgehend medizinisches Neuland war. 1919 hatte der österreichische Forscher Ludwig Haberland nachgewiesen, dass eine Transplantation der Eierstöcke von trächtigen auf nicht trächtige Kaninchen den Eisprung unterdrücken und so eine Befruchtung verhindern konnte. Er erbrachte damit den ersten wissenschaftlichen Beweis dafür, dass eine Verhütung mittels Hormonen überhaupt möglich war.

Das Problem damals in den 1920ern war allerdings, dass die chemische Struktur der meisten Hormone noch gar nicht identifiziert war. Also konnte man sie auch nicht in reiner Form herstellen. Man musste zwangsläufig auf Extrakte aus Tierorganen zurückgreifen, mit all den Verunreinigungen und Risiken, die daraus entstehen konnten.

Das erste Hormonpräparat von Schering, eingeführt im Jahr 1928, war ein Östrogenprodukt mit Estradiolvalerat zur Behandlung von Beschwerden in den Wechseljahren.

Das erste Hormon, das chemisch charakterisiert werden konnte, war das weibliche Hormon Östron im Jahr 1929. Weitere Sexualhormone folgten rasch nach. Ein wichtiger Meilenstein in der Hormonforschung war die Entwicklung des ersten synthetischen Östrogens, Ethinylestradiol, im Jahr 1938 durch die Schering-Wissenschaftler Inhoffen und Hohlweg. Bis heute ist Ethinylestradiol die Östrogenkomponente in praktisch allen Pillenpräparaten. Ethinylestradiol ist chemisch sehr stabil und wird nur langsam in der Leber abgebaut. Also genügen winzige Mengen, um einen ausgeprägten Östrogen-Effekt zu erzielen.

Die Forscher wandern in die USA aus - und nehmen ihr Wissen mit
Das Grundwissen zur Ovulationshemmung und die dazu notwendigen Hormone waren also in den 1930er Jahren bereits vorhanden. Wäre die Geschichte anders verlaufen - wer weiß, vielleicht hätte ein Schering-Wissenschaftler schon zwanzig Jahre früher die Pille erfinden können als es dann eigentlich geschah. Aber es kam anders. Die Nationalsozialisten interessierten sich nicht im Geringsten für Verhütung. Im Gegenteil, deutsche Frauen sollten so viele Kinder wie möglich zur Welt bringen. Das sogenannte 'Mutterkreuz' war eine Art Orden, den jede Frau zur Geburt ihres fünften Kindes verliehen bekam. Gleichzeitig mussten viele jüdische Intellektuelle und Wissenschaftler Deutschland wegen der zunehmenden rassistischen Verfolgung verlassen. Sie nahmen ihr Wissen mit nach Amerika, und dort begann eigentlich erst die Geschichte der Pille.

Die Pille - die Idee einer Frau
Die Entwicklung der Pille wäre nicht möglich gewesen ohne zwei bedeutende Frauen: Margaret Sanger und Katherine McCormick. Sanger war Krankenschwester in New York. Sie wusste, wie die unablässig aufeinanderfolgenden Schwangerschaften und Geburten, gar nicht zu reden von vielen hungrigen Kindern, das Leben der armen Frauen in der Stadt beeinträchtigen konnten. Sanger war absolut überzeugt: Nur ein Verhütungsmittel, das die Frau selbst kontrollierte, würde die Frauen von der Last der allzu häufigen ungeplanten Schwangerschaften befreien können. Die engagierte Krankenschwester nahm niemals ein Blatt vor den Mund. Sie machte sich viele Feinde in einer Gesellschaft, die das Kinderkriegen als das natürliche Los der Frauen ansah, und in der Geburtenkontrolle offiziell verboten war.

Es dauerte bis in die 1950er Jahre, bis die Entwicklung einer Verhütungspille politisch überhaupt durchsetzbar wurde. Sanger wandte sich an Katherine McCormick, eine Millionärin, die viele mildtätige Projekte unterstützte und sich sehr für die Frauenbewegung interessierte. Gemeinsam überzeugten Sanger und McCormick den Wissenschaftler Dr. Gregory Pincus, die Pille zu entwickeln. Diese wurde im Mai 1960 in den USA unter dem Handelsnamen Enovid(R) auf den Markt gebracht. Pincus gilt noch heute als 'Vater der Pille' - aber Sanger und McCormick waren die Hebammen.

Anovlar(R) - die erste europäische Pille
Nur ein Jahr nach der Einführung der Pille in den USA war die erste europäische Pille auf dem deutschen Markt, die anderen Länder Westeuropas folgten bald nach. Anovlar(R) von Bayer Schering Pharma (damals Schering) enthielt 50 mikrogramm Ethinylestradiol und 4 mg Norethisteronacetat pro Dragee. Zum Vergleich: Das amerikanische Präparat enthielt 150 miktrogramm eines sehr ähnlichen Östrogens. Schon mit Anovlar(R) begann also die Schering-Tradition der Dosisverminderung.

Die europäische Pille traf auf einen völlig unvorbereiteten Markt. Verhütung, die die Frau selbst kontrolliert - das war eine ganz neue Idee. Anovlar(R) wurde zunächst als Präparat zur Behandlung schmerzhafter Regelblutungen angeboten. Klein in der Packungsbeilage war zu lesen, dass während der 'Kur' mit dem Präparat kein Eisprung erfolgt. Die Schwangerschaftsverhütung war also offiziell eine Nebenwirkung und keine Indikation. Allerdings deutete schon der Handelsname Anovlar(R) auf die Unterdrückung des Eisprungs hin - den wichtigsten Wirkmechanismus der kombinierten oralen Kontrazeption.

Norgestrel und Levonorgestrel - die neue Generation der Gestagene
1965 kam die erste Pille mit einem neuen Gestagen auf den Markt:
Eugynon(R) von Schering. Sie enthielt pro Pille 500 mikrogramm des Gestagens Norgestrel, das im Vergleich zu dem bisher verwendeten Norethisteron deutlich stärker wirksam war und daher niedriger dosiert werden konnte. Nur ein paar Jahre später, 1970, führte Schering dann Neogynon(R) ein. Diese Pille war im Prinzip identisch mit Eugynon(R), enthielt jedoch anstelle der 500 mikrogramm Norgestrel jetzt 250 mikrogramm Levonorgestrel.

Noch ein Quantensprung: Die erste 'Minipille'
Im Jahr 1971 führte Schering ein ganz neues und radikal anderes Konzept der Verhütung ein: Die Minipille. Sie enthielt nur eine ganz geringe Hormondosis, nämlich 30 mikrogramm des Gestagens Levonorgestrel. Auf Östrogene wurde hier ganz verzichtet. Der Wirkmechanismus der Minipille unterscheidet sich von dem der kombinierten Pillen, und sie wird auch anders eingenommen: Jeden Tag sehr pünktlich zur gleichen Zeit, ohne Pausen. Die Minipille unterdrückt den Eisprung meist nicht. Ihr Verhütungseffekt beruht hauptsächlich auf der Verdickung des Schleimpfropfes im Gebärmutterhals. Dieser wird so dicht und zäh, dass Samenzellen ihn nicht durchdringen können. Die wichtigsten Nachteile dieser Form der Verhütung waren die schlechte Zykluskontrolle - also die häufigen Zwischenblutungen - und die Tatsache, dass die Einnahme viel Disziplin erfordert. Die Minipille muss täglich innerhalb eines Zeitfensters von höchstens drei Stunden eingenommen werden.

Dosisverminderung
1973 führte Schering eine Pille mit nur 30 mikrogramm Ethinylestradiol pro Dragee ein. Zum allerersten Mal war eine Pille erhältlich, die weniger als 50 mikrogramm Östrogen enthielt. Die Klasse der niedrigdosierten Pillen wurde fortan 'Mikropill' gengenannt. Mikropillen sind heute der Standard, während Pillen mit hohen Östrogendosen mehr oder weniger vom Markt verschwunden sind. Die oben erwähnte Pille ist noch heute, fast 40 Jahre nach seiner Einführung, auf dem Markt erhältlich. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat diese Pille in ihre Liste der unentbehrlichen Medikamente (essential drugs) aufgenommen.

Nach der Einführung der oben beschriebenen Pille schien eine weitere Dosisverminderung ohne negative Auswirkungen bei der Zykluskontrolle schwierig zu werden. Doch Wissenschaftler bei Schering fanden einen genialen Kniff: Eine Verminderung der Hormondosis pro Zyklus (anstatt pro Dragee), wobei die Verhütungszuverlässigkeit erhalten blieb. Die erste Dreiphasenpille, Trigynon(R), orientierte sich an der natürlichen Schwankung der Hormonspiegel im weiblichen Körper während des Menstruationszyklus. In der ersten Zyklushälfte produzieren die Eierstöcke Östrogene, kein Progesteron (das natürliche Gelbkörperhormon). Die Reduzierung der Gestagendosis in den ersten Zyklustagen erwies sich als gute Idee. Später stellte sich heraus, dass eine weitere Dosisreduktion doch möglich war.

Zusatzindikationen - ein neues Konzept für die Pille
Bis in die 1970er Jahre war die Entwicklung neuer Pillen getrieben von dem Konzept, eine effektive Verhütung mit der geringstmöglichen Hormonmenge zu erreichen. Dann entwickelte Schering ein neues Gestagen namens Cyproteronacetat (CPA). CPA ist ein wirksames Gestagen, das den Eisprung unterdrückt, aber gleichzeitig blockiert es die Wirkung männlicher Hormone. Was sollte das beim Einsatz in der Pille für Vorteile haben?

Tatsächlich produzieren alle Frauen in ihren Ovarien und Nebennieren kleine Mengen an männlichen Hormonen, genauso wie alle Männer kleine Mengen weiblicher Hormone produzieren. Einige Frauen jedoch haben zu hohe Blutspiegel an Testosteron (dem männlichen Sexualhormon) oder reagieren sehr empfindlich darauf. Dies kann zu sehr fettiger Haut, zu Akne, zu Haarausfall oder zu verstärkter Gesichtsbehaarung (Damenbart) führen. Diese Frauen profitierten besonders von jener neuen Schering-Pille, die im Jahr 1978 auf den Markt kam. Die Östrogendosis in dieser Pille wurde später auf 35 mikrogramm reduziert. Es ist heute noch erhältlich, als effektives Medikament gegen ausgeprägte Akne bei Frauen, die gleichzeitig eine verlässliche Verhütung benötigen.

1987 führte Schering seine erste Pille mit Gestoden ein, einem neuen Gestagen.

Gestagen genau da, wo es gebraucht wird - die 'Hormonspirale'
Verlassen wir einen Moment den Bereich der oralen Verhütungsmittel. 1990 führte Schering die erste und bis heute einzige Hormonspirale ein. Ein T-förmiger Kunststoffträger wird in die Gebärmutter eingesetzt. Auf diesem Träger befindet sich ein Hormonreservoir, das kontinuierlich kleine Mengen des Gestagens Levonorgestrel freisetzt. Die Hormonspirale ist darauf angelegt, fünf Jahre lang ungewollte Schwangerschaft zu verhüten. Innerhalb von 24 Stunden werden 20 mikrogramm Levonorgestrel freigesetzt und wirken direkt in der Gebärmutter. Nur die Hälfte dieser Hormonmenge wird ins Blut
aufgenommen. Dies entspricht der Hormondosis von etwa zwei 'Minipillen' pro Woche.

Der Wirkmechanismus basiert auf dem alten Konzept der Minipille. Allerdings wirkt das Hormon hier hauptsächlich lokal, also direkt in der Gebärmutter, und nicht über den Blutkreislauf. Der Schleimpfropf im Gebärmutterhals wird so dicht und zäh, dass Spermien ihn nicht durchdringen können. Gleichzeitig hemmen die Hormone direkt 'vor Ort' in der Gebärmutter das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. Es kommt kaum noch zu einem Wachstum wie im normalen Menstruationszyklus, was auch das Blutungsmuster deutlich verändert.

Mit normalen Kupferspiralen haben viele Frauen verstärkte und schmerzhafte Regelblutungen - mit der Hormonspirale aber werden die Regelblutungen bei vielen Frauen im Gegenteil wesentlich schwächer. Etwa 20% der Verwenderinnen haben überhaupt keine Blutungen mehr. Diese 'Nebenwirkung' ist besonders bei Frauen wichtig, die sonst bei der Menstruation viel Blut verlieren. In Österreich sowie einigen anderen Ländern ist die Hormonspirale heute nicht nur zur Verhütung, sondern auch zur Behandlung übermäßig starker Regelblutungen zugelassen. Nachdem die Frauenärztin oder der Frauenarzt die Hormonspirale in die Gebärmutter eingesetzt hat, bleibt sie fünf Jahre wirksam. Dies ist ein Vorteil gegenüber der Minipille, die ganz ähnlich wirkt, aber jeden Tag ganz pünktlich geschluckt werden muss.

Moderne Pillen mit Drospirenon
Ein weiteres neues Gestagen mit zusätzlichen positiven Wirkungen wurde von Schering-Wissenschaftlern in den 1990ern entdeckt und 2000 auf den Markt gebracht: Drospirenon. Zusätzlich zu seiner Wirkung als Sexualhormon (Gestagen) zeigt Drospirenon auch eine Wirkung, die man sonst nur von dem natürlichen Progesteron kennt, den aber die anderen synthetischen Gestagene nicht aufweisen. Dies ist die sogenannte anti-mineralokortikoide Wirkung. Progesteron fördert die Ausscheidung von Natrium und Wasser über die Nieren und wirkt so dem Östrogen entgegen, das Natrium und Wasser im Körper speichert.

Eine Pille auf Basis des natürlichen Östrogens Estradiol
In den letzten 50 Jahren wurden viele neue Gestagene als Komponenten der Pille eingeführt. Jedes hat besondere Eigenschaften, und einige wie Dienogest oder Drospirenon haben zusätzliche positive Eigenschaften. Die Östrogenkomponente fast aller Pillen allerdings ist nach wie vor das Ethinylestradiol - jenes hochwirksame synthetische Östrogen, das 1938 bei Schering entwickelt wurde.

Es gab viele Versuche, als Alternative Estradiol, das im Körper der Frau produzierte Östrogen zu verwenden. Leider sind diese Versuche meist daran gescheitert, dass die Zykluskontrolle der betreffenden Präparate sehr schlecht war.

Die Kombination des Östrogens Estradiolvalerat mit dem Gestagen

Dienogest hat jetzt endlich doch zum Erfolg geführt. Das in der neuesten Pille von Bayer Schering Pharma verwandte Estradiolvalerat wird sofort in Estradiol umgewandelt, dem gleichen Östrogen, das der weibliche Körper produziert. In einem besonderen Dosierungsschema wird der Hormongehalt im Laufe des Zyklus variiert. Dabei sind die Dosierungen der Hormone darauf ausgerichtet, die richtige niedrige Hormonmenge zur richtigen Zeit im Zyklus bereitzustellen.

Über Bayer HealthCare
Die Bayer AG ist ein weltweit tätiges, forschungsbasiertes und
wachstumsorientiertes Unternehmen mit Kernkompetenzen auf den
Gebieten Gesundheit, Ernährung und hochwertige Materialien. Bayer HealthCare ist eine Tochtergesellschaft der Bayer AG und gehört zu den weltweit führenden innovativen Unternehmen in der
Gesundheitsversorgung mit Arzneimitteln und medizinischen Produkten. Das Unternehmen bündelt die Aktivitäten der Divisionen Animal Health, Bayer Schering Pharma, Consumer Care sowie Medical Care. Ziel von Bayer HealthCare ist es, Produkte zu erforschen, zu entwickeln, zu produzieren und zu vertreiben, um die Gesundheit von Mensch und Tier weltweit zu verbessern. Mehr Informationen finden Sie unter www.bayerhealthcare.at

Über Bayer Schering Pharma
Bayer Schering Pharma ist ein weltweit führendes Spezialpharma
Unternehmen, dessen Forschung und Geschäftsaktivitäten sich auf vier Bereiche konzentrieren: Diagnostische Bildgebung, General Medicine, Specialty Medicine und Women's Healthcare. Bayer Schering Pharma setzt auf Innovationen und will mit neuartigen Produkten in speziellen Märkten weltweit führend sein. So leistet Bayer Schering Pharma einen Beitrag zum medizinischen Fortschritt und will die Lebensqualität der Menschen verbessern. Mehr Informationen finden Sie unter www.bayerscheringpharma.at.


Rückfragehinweis:
Ansprechpartnerin für Medien:
Dipl.- Journ. Carolin Schairer
Bayer Austria Unternehmenskommunikation
Tel: 01/ 711 46 2228
Carolin.schairer@bayer.at

Quelle: www.ots.at
Fotograf: Bayer Austria Gesellschaft m.b.H.
Fotocredit: Bayer Austria Gesellschaft m.b.H.
Ort: Österreich / Wien
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