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Zuletzt online vor 3 Monaten

Manche Kinder können nicht zuhause bleiben

geschrieben von Elternforum am 2010-02-19 14:45:13
Wenn Kinder durch ihre Erziehungsberechtigten gefährdet werden, d.h. vernachlässigt, von seelischer, körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen sind, ist es Aufgabe der Jugendwohlfahrt diese Kinder zu schützen. Manche Kinder können dann nicht bei ihren Eltern bleiben. Sie brauchen Pflegeeltern, die für unbestimmte Zeit die Aufgaben von leiblichen Eltern übernehmen. Pflegekinder sind Kinder wie andere auch. Sie stellen aber besondere Anforderungen, denn sie haben meist belastende Erfahrungen hinter sich. Aufgrund ihrer jeweiligen Geschichte haben sie oft große Defizite, bei deren Aufarbeitung die Pflegefamilie mit sehr viel Verständnis, Zuneigung und Geduld mithelfen muss.
Für Kinder jeder Altersstufe, ganz besonders aber für ältere Kinder von drei bis sechs Jahren, werden Pflegeeltern dringend gesucht. Ebenso für Geschwister, die natürlich zusammenbleiben sollen, für Kinder mit schwierigen Elternteilen, Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, Behinderungen oder mit Verhaltensproblemen im sozialen Bereich.
Aktuell leben fast 1450 Wiener Kinder in 900 Pflegefamilien. Jedes Jahr suchen wir für rund 100 Kinder Pflegemamas und Pflegepapas.

Was Pflegeeltern können müssen
Eignungsbeurteilung durch den Jugendwohlfahrtsträger:
Pflegemamas und Pflegepapas brauchen eine Eignungsbeurteilung des Jugendwohlfahrtsträgers. Persönliche, soziale, gesundheitliche und wirtschaftliche Bedingungen werden durch Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen des Referat für Adoptiv- und Pflegekinder der MAG ELF überprüft. Alle im Haushalt lebenden Familienmitglieder werden in die Eignungsbeurteilung miteinbezogen. Die Überprüfung dauert drei bis sechs Monate. Menschen in unterschiedlichen Lebensformen- ob alleinstehend, in Partnerschaft lebend (auch gleichgeschlechtlich), verheiratet, mit Kindern, ohne Kindern können Pflegemama oder Pflegepapa werden.
Wenn Kinder für kürzere oder längere Zeit außerhalb ihrer Herkunftsfamilie betreut werden müssen, kann das in Krisenzentren, in Wohngemeinschaften oder bei Pflegeeltern sein. In einer Familie bekommt ein Kind die gefühlsmäßige Bindung, die für seine Entwicklung so wichtig ist. Pflegekinder bekommen eine Ersatzfamilie, die sie stützt und betreut.

Pflegemamas und Pflegepapas geben Zuwendung und Geborgenheit. Ein Pflegekind kann jedoch nie Ersatz für einen eigenen unerfüllten Kinderwunsch sein, es kann ein eigenes Kind oder ein Adoptivkind nicht ersetzen. Die leiblichen Eltern geben ihr Kind nicht wie bei der Adoption für immer weg. Anders als bei der Adoption behalten die leiblichen Eltern bestimmte Rechte (zum Beispiel das Besuchsrecht) und Pflichten (zum Beispiel Zahlung von Unterhaltsbeiträgen). Die leiblichen Eltern können und sollen die persönlichen Kontakte zum Kind aufrechterhalten.
Pflegemama oder Pflegepapa sein ist eine schöne, aber auch schwierige und manchmal belastende Aufgabe. Pflegemamas und Pflegepapas sind in ihren persönlichen Fähigkeiten sehr gefordert, wie zum Beispiel in ihrem erzieherischen Geschick, in Einfühlungsvermögen, Toleranz, Gesprächsfähigkeit und Konfliktlösungskompetenz. Pflegeeltern müssen keine pädagogische Ausbildung haben. Freude an der Arbeit mit Kindern ist aber unbedingte Voraussetzung.

Vorbereitung auf die Aufgabe als Pflegemama oder Pflegepapa
Pflegeeltern werden auf ihre Aufgabe gut vorbereitet.
Wer Pflegemama oder Pflegepapa werden möchte, muss an einem Vorbereitungsseminar, das aus mehreren Modulen besteht, teilnehmen. Das gibt angehenden Pflegeeltern die Möglichkeit, ihre Motivation zu prüfen und sich mit der Aufnahme eines Pflegekindes in ihre Familie auseinanderzusetzen. Sie bekommen einen umfassenden Einblick in die Thematik und können alle Fragen oder Bedenken ausführlich besprechen. Am Ende der Schulungsmodule erhalten alle Pflegeeltern ein dreitägiges vertiefendes Seminar, das von einer Sozialarbeiterin und von einer ausgebildeten Pflegemutter oder einem Pflegevater geleitet wird. Alle Schulungen sind kostenlos.

Unterstützung durch Expertinnen und Experten
Gemeinsame Verantwortung
Pflegemamas und Pflegepapas stellen sich einer großen Herausforderung. Die MAG ELF- Amt für Jugend und Familie unterstützt diese Bereitschaft mit einem großen Angebot an Beratung und Begleitung, außerdem kostenlose Weiterbildung in Kursen und Seminaren. Durch laufende Supervision, Kontrolle und gemeinsame Verantwortung wird sichergestellt, dass es in der Pflegefamilie für alle Beteiligten gut läuft.

Psychologische Beratung und therapeutische Hilfe
Wenn schwierige Situationen auftreten, werden Pflegemamas und Pflegepapas besonders unterstützt. Gemeinsam mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern der MAG ELF wird geklärt, um welche Probleme es sich handelt und ob die Hilfe von Therapeutinnen oder Therapeuten in Anspruch genommen werden soll.

Unterstützung im Umgang mit der Herkunftsfamilie
Bei der Vermittlung des Kindes in eine Pflegefamilie werden die ersten Besuchsintervalle durch die leiblichen Eltern vereinbart. Diese Kontakte werden durch die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter der MAG ELF professionell begleitet und die Pflegeeltern bei schwierigen Besuchskontakten unterstützt.

Das Pflegeelterngeld
Zur Abdeckung des monatlichen Bedarfs an Nahrung, Bekleidung, Körperpflege, Schulartikeln, anteiligen Wohn- und Energiekosten sowie des Aufwands für eine altersgemäß gestaltete Freizeit, wird Pflegeelterngeld ausbezahlt.
Das Pflegeelterngeld ist nach Altersstufen gestaffelt. Für ein ca. 6-jähriges Kind stehen derzeit rund 440 EUR, 16 mal pro Jahr zur Verfügung. Darüber hinaus besteht Anspruch auf den Bezug der Familienbeihilfe. Das Pflegekind kann bei einem Pflegeelternteil krankenversichert werden. Für die Pflegemutter oder den Pflegevater besteht darüber hinaus zur sozialen Absicherung die Möglichkeit einer Anstellung.

Die Anstellung
Seit 2003 wird allen Wiener Pflegeeltern ein Anstellungsverhältnis angeboten. Ziel der Anstellung ist es, Pflegeeltern eine sozial, -pensions- und arbeitslosenversicherungsrechtliche Absicherung zu ermöglichen.
Das monatliche Einkommen liegt knapp über der Geringfügigkeitsgrenze. Abgegolten wird damit zusätzlicher Arbeitsaufwand (z.B. Therapien, Besuchskontakte, Fortbildung, Supervision,..) Supervision und Fortbildung sind in einem bestimmten Stundenausmaß verpflichtend festgesetzt.
Derzeit sind um die 200 Pflegepersonen angestellt.

Manche Kinder brauchen ganz schnell ein neues Zuhause
Für eine kurzfristige Aufnahme eines Pflegekindes werden laufend sogenannte Krisenpflegefamilien gebraucht, die innerhalb von Stunden Babys und Kleinkinder im Alter bis zu drei Jahren bei sich aufnehmen. Sie sind Expertinnen und Experten im Umgang mit Kindern und geben in schwierigen Situationen Halt und Sicherheit Und sie können sich immer wieder verabschieden, wenn Kinder nach etwa sechs bis acht Wochen zu ihren leiblichen Eltern zurückkehren oder in eine andere Pflegefamilie aufgenommen werden.
Von rund 200 Säuglingen und Kleinkindern, die im Laufe des Jahres in Krisenpflegefamilien vermittelt werden, kann fast die Hälfte wieder in den Haushalt der Eltern zurückkehren, die übrigen Kinder benötigten eine Folgeunterbringung in Pflegefamilien. In Wien stehen derzeit 40 Krisenpflegefamilien zur Verfügung.

Herta Staffa
MAG ELF Öffentlichkeitsarbeit

Weitere Informationen: www.pflegemama.at
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